Historischer Rundgang durch Schönberg

Über die genaue Gründungsgeschichte Schönbergs ist wenig bekannt. Wohl gegen Ende des 13. Jahrhunderts verliehen vermutlich die Grafen von Hals Schönberg das Marktrecht. 1438 kommt Schönberg an das Herzogtum Bayern und wird 1548 eine eigenständige Pfarrei.

Gehen sie mit uns auf Spurensuche durch Schönberg. Sie können diese Beschreibung auch als handliches Geheft in der Tourist-Information bekommen.

Auf dem Marktplatz

Früher Finanzamt, jetzt Rathaus
Die Nepomuk-Statue

Beginnen wir vor dem jetzigen Rathaus. Schwere Gitter vor den Fenstern weisen darauf hin, dass hier früher viel Geld war, das Rentamt. Heute würde man Finanzamt sagen. Eigentlich sollte im Jahr 1803 der Landrichter seinen Sitz nach Schönberg verlegen. Er wollte jedoch nicht auf den Genuss seiner Pfleggründe in Bärnstein verzichten und blieb eigenmächtig dort. dafür ließ sich der Rentbeamte Josef v. Geißler statt in Grafenau in Schönberg nieder.

Werfen wir einen Blick auf den Marktplatz. Die stolzen Fassaden im Inn-Salzachstil erzählen vom Reichtum der damaligen Besitzer. Das Marktrecht war seit jeher Quelle eines gewissen Wohlstandes. Besonders die Viehmärkte waren von überregionaler Bedeutung. Die Gestaltung es neues Marktbrunnens erzählt davon.

Seit 1902 steht das Standbild von St. Johann von Nepomuk in den Anlagen auf dem Marktplatz. Im Jahre 1737 soll es von Baron Ulrich von Drechsel zu Rammelsberg errichtet worden sein. Die, auf einem hohen Sockel stehende, überlebensgroße Statue stand in früheren Zeiten an der Ecke Deggendorfer und Ramelsberger Straße, nahe bei einer großen Linde. Als ein Sturm die Linde fällte, wurde die Figur von den Schönbergern erworben und am Marktplatz aufgestellt.

Der untere Teil des Marktplatzes um die Grünfläche heißt Luipoldplatz. Am Gebäude Luitpoldplatz 1 ist ein großes Wappen sichtbar. Hier war 1825 bis 1980 das Rathaus.

Pfarrkirche und Pfarrhof

Pfarrkirche und Pfarrhof, dazwischen das neue Pfarrheim mit Gruppen- und Veranstaltungsräumen

Den oberen Abschluss des Marktplatzes bildet die Pfarrkirche St. Margareta. Die Kirchenpatronin war eine wichtige Heilige im Bauernjahr, begann mit ihren Jahrestag doch die Erntezeit. Es wird vermutet, dass die Weihe aber auf eine Tochter der Grafen von Hals zurückzuführen ist. Bereist 1070 wurde ein erstes kleines Kirchlein errichtet und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und vergrößert. 1593 zerstörte ein Brand die Kirche. Es wurde der spätgotsiche Chorraum, die Seitenschiffe und der jetzige Kirchturm errichtet. Schießscharten in seinen massiven Natursteinwänden weisen auf seine Bedeutung als Wehrturm hin. Keine hundert Jahre später brannte es wieder, man baute wieder auf, diesmal im Barock-Stil. Es setzte eine Marienwallfahrt ein. Um auf die Bedeutung hinzuweisen, begann man den Bau eines zweiten Turmes, der jedoch nie über den Stumpf hinauswuchs. 1834 brannte es ein weiteres Mal, der Wiederaufbau wurde dieses Mal im neugotsichen Stil durchgeführt. Die drei Altäre, die Kanzel und das große Hauptkreuz sind aus dieser Zeit. Eine letzte Zerstörung geschah in den letzten Kriegstagen durch amerikanischen Beschuss. Der Turm wurde zerstört und stürzte auf das linke Seitenschiff. Bis 2006 wurde die Kirche außen und innen grundlegend saniert. Behutsam eingesetzte neue Elemente sind anhand der Materialien (Stahl und Glas) gut von der historischen Substanz zu unterscheiden.

Gegenüber liegt der denkmalgeschützte Pfarrhof, eines der ältesten Gebäude Schönbergs. Er wurde 1682 errichtet und enthielt neben Holzschuppen und Getreidekasten auch zwei Schweineställe, einen Färsen- und einen Kuhstall. 1810 wurde der Pfarrhof durch eine Feuersbrunst bedroht. Um die wertvollen Akten vor dem Feuer zu retten, wurden diese ins Freie geschafft - und großteils durch Regen vernichtet

Auf der Regener Straße

Eine Gedenktafel erinnert an den Aufenthalt der Sippenhäftlinge.

Gehen wir an der Pfarrkirche vorbei bergan, stehen wir vor einem stattlichen Gebäude, der ehemaligen Brauerei Reinsberger. Bereits 1576 wandte sich der Markt Schönberg an die Herzogliche Regierung in Straubing mit der Bitte, ein Brauhaus für das "braune Bier" errichten zu dürfen. Aus Brandschutzgründen musste die Brauerei aber außerhalb des Marktes errichtet werden. 1896 erwarb der Schweizer Johann Reinsberger das Brauhaus, dessen Sohn die Brauerei bis 1968 führte.

Gegenüber befindet sich das ehemalige Mädchenschulhaus, das von den Maria Ward Schwestern betrieben wurde. 1945 musste es geräumt werden um darin besondere politische Gefangene (z.B. Kokorin, Neffe des sowejetischen Außenministers Molotow) und Sippenhäftlinge des Attentates auf Hitler vom 20.07.1944 unterzubringen. Unter den etwa 60 Gefangenen befand sich auch Pastor Dietrich Bonhoeffer.

Das alte Postamt

Das ehemalige Postgebäude im Jahr 1975

Machen wir nun einen kleinen Spaziergang in die entgegengesetzte Richtung zum Unteren Marktplatz. Das Gebäude mit der Hausnummer 7 beherbergt nun ein Trachtenmodegeschäft. Es wurde 1932 architektonisch anspruchsvoll in kubistischer Form als Postamt erstellt. Im Erdgeschoss befand sich das Postamt und im ersten Stock wohnte de Amtsvorsteher. Auf Anordnung des Reichspostministeriums wurde 1939 das Pultdach durch ein Satteldach ersetzt, da es sich nach NS-Ansicht schlecht in das Orts- und Landschaftsbild einfügte.